Hauptseite Kevin Startseite VafK Bremen

Zitiert aus:
Weser-Kurier
8.2.2006

Zuständig für über 70 Fälle mit gut 130 Kindern
Gröpelinger Sozialarbeiterin sieht sich als Einzelkämpferin / "Vorgesetzte haben keinen Überblick"
Von unserem Redakteur
Arno Schupp

BREMEN. Wie wird im Amt für Soziale Dienste die Fachaufsicht für die Fallmanager wahrgenommen? Diese Frage stand gestern im Mittelpunkt des parlamentarischen Untersuchungsausschusses "Kindeswohl". Die Antwort einer 53-jährigen Sozialarbeiterin war ernüchternd. "Die Vorgesetzten können keinen Überblick über unsere Arbeit haben. Wir sind eigentlich eher Einzelkämpfer." Die Wochenkonferenzen der Casemanager würden sich im Sozialzentrum Gröpelingen/Walle im Wesentlichen mit der Bewilligung von kostenpflichtigen Maßnahmen beschäftigen. An die letzte Dienstbesprechung, bei der fachliche Weisungen besprochen worden sind, konnte sie sich nicht mehr erinnern.

Kommentar:
Die Sozialarbeiterin kam mit Anwalt. Dass sie sich nicht erinnern kann, kennen wir aus ihren Beratungen nach KJHG und auch aus ihren Vorträgen bei Gericht.

... Auch zum Austausch mit den Kollegen bleibe allenfalls "zwischen Tür und Angel" Zeit. Mehr lasse die enorme Arbeitsverdichtung im Sozialzentrum am Schiffbauerweg nicht zu. "Ich betreue 60 Kostenfälle, habe zehn Beratungsfälle sowie zehn Vorgänge aus dem Familienrecht.

Kommentar:
Die Beratungsfälle und die Vorgänge beim Familiengericht sind in der Form, wie die Frau sie behandelt, wohl eher als geringfügige Nebentätigkeit zu bezeichnen. Diese Fälle laufen oft über mehrere Monate, und dafür gibt es 2 bis 5 Termine von einer Stunde. Ferner gehört die Frau zu denjenigen, die laut Frau Richterin Heinke nicht wirklich regelmäßig den Ladungen der Gerichte folgen. 
Laut Bundesvorgabe für Amtsvormünder sollten diese zwischen 50 und 60 Fälle haben. Damit kann von einer hohen Überlastung keine Rede sein.

Das sind unterm Strich rund 130 Kinder", rechnete sie dem Ausschuss-Vorsitzenden Helmut Pflugradt (CDU) und den anderen Mitgliedern des Gremiums vor. Wo bleibe bei dieser Arbeitsbelastung noch Zeit für Gespräche mit den Kollegen? Auch eine feste Vertretungsregelung, wie sie in anderen Sozialzentren umgesetzt wird, gibt es nach Angaben der 53-Jährigen in Gröpelingen nicht - oder "nur in Notfällen". Für ein genaues Studium der betreffenden Akte fehle dann wiederum die Zeit. Und selbst wenn die Gelegenheit da sein sollte, ist das Aktenstudium offenbar schwierig.


Kommentar:
Deshalb wird ja auch jegliche Akteneinsicht, selbst durch Anwälte, verweigert. Das soll auf einer Arbeitsanweisung beruhen. Merkwürdig, wie regelmäßig sich die Frau daran erinnert.
Unseres Wissens hat die Frau sich gegenseitig mit dem für Kevins zuständigen Fallmanager, Hr. J. in Krankheit und Urlaub gegenseitig vertreten, deshalb wohl auch der Anwalt.
Auf den Spielplätzen Gröpelingens munkeln Eltern übrigens, dass es mit Hr. J. nicht den Richtigen getroffen habe.
Wir fragen uns langsam, was hier eigentlich untersucht wird. Die Tatsachen zum Thema, oder die Bereitschaft von Mitgliedern der Bürgerschaft, sich von den "Zeugen" auf den Arm nehmen zu lassen?
So kann Controlling natürlich nicht funktionieren!

"Im Sozialzentrum Süd werden nicht alle Akten sauber geführt", erklärte gestern eine Mitarbeiterin der Innenrevision des Amtes für Soziale Dienste. Unübersichtliche handschriftliche Vermerke, ein nicht verlässlich funktionierendes System der Wiedervorlage sowie Akten mit inaktuellen Angaben zu einzelnen Personen machte die 33-Jährige als Mängel aus. Beinahe Bestnoten gab sie dafür einer Akte des Casemanagers von Kevin, [VafK: Hr. J., also nicht der Vormund] die sie als sehr geordnet beschrieb. Diese Akte spielte für die Innenrevisorin eine Rolle beim Ausarbeiten einer Chronologie des Falls Kevin, die den Zeitraum Januar 2004 bis Februar 2006 umfasst. Nach Kevins Tod am 10. Oktober habe sie diese Chronologie ergänzt, wobei ihr der Inhalt im Beisein des inzwischen suspendierten Amtsleiters Jürgen H. diktiert worden sei.

Dass die Gröpelinger Probleme nicht alleine an den Strukturen der Sozialen Dienste liegen können, wurde gestern bei der Vernehmung eines dritten Zeugen deutlich. Der 57-jährige Fallmanager aus dem Sozialzentrum Süd klagte zwar auch über eine hohe Arbeitsbelastung, gleichwohl funktioniere die Zusammenarbeit mit der Leitungsebene, an der er "absolut keine Kritik" habe. Auch an der Kooperation unter den Fallmanagern, die ein funktionierendes Vertretungssystem praktizierten, gebe es nichts auszusetzen. Ob sich im Sozialzentrum Süd ein Kollege diesem Kreis entziehen könne, wie es Kevins Casemanager in Gröpelingen gemacht habe, wollte Pflugradt wissen. "Nein. Das kann bei uns mit Sicherheit nicht passieren."

Kommentar
Dass wir aus dem Sozialzentrum Süd weniger Probleme hören, können wir bestätigen. Es sind eben doch die Leute und deren Einstellung zur Arbeit und zu Kindern, und nicht nur das Geld.


 Nach Oben