Zitate aus:
Weser-Kurier
18.1.2007
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Akten
blieben nach "Super-Gau" vier Wochen liegen Von unserer
Redakteurin |
BREMEN. Das Versagen der Behörde im Fall Kevin ging, so scheint es, weit über den Tod des kleinen Jungen hinaus. Am 10. Oktober wurde sein Leichnam im Kühlschrank des Ziehvaters gefunden. Am selben Tag machte der Begriff vom "Super-Gau" im Amt die Runde. Doch es dauerte noch vier Wochen, bis jemand die übrigen Akten des Fallmanagers überprüfte. Der parlamentarische Untersuchungsausschuss "Kindeswohl" hatte gestern den Innenprüfer Gisbert Tümmel als Zeugen geladen. Der erfahrene Verwaltungsangestellte hatte am 6. November vergangenen Jahres damit begonnen, alle Akten von Kevins Fallmanager zu sichten, zu sortieren und zu bewerten.
Wie berichtet, sah er in elf Fällen "dringenden Handlungsbedarf. " Wiederholt hakte Hermann Kleen (SPD) nach, wann dem 45-jährigen Prüfer die Tragweite des Falles Kevin klar geworden sei. "Am selben Tag, als Kevin tot aufgefunden wurde", lautete die prompte Antwort. Drei, vier Mal habe er die Akte durchgeblättert und sofort bemerkt: "Das ist ein Super-Gau". So sei den Verantwortlichen schnell klar gewesen, dass der zuständige Fallmanager an vielen Stellen höchst unprofessionell oder gar überhaupt nicht gehandelt habe.
Fassungslos stellte Kleen fest: "Dennoch hat fast vier Wochen keine aktive Durchsicht der anderen Akten stattgefunden." Zögernd nickt der 45-jährige Zeuge und versucht das fehlende Handeln mit einem Schock aller Beteiligten zu erklären. Kevins Akte liefere noch einen der am besten dokumentierten Fälle des Sachbearbeiters, sagte Tümmel dann. Bei anderen Kindern sei Post nicht bearbeitet oder beantwortet worden, Hilfepläne von den Eltern nicht unterschrieben oder Formblätter nicht komplett ausgefüllt worden.
In 19 seiner insgesamt 78 Fälle war der Sachbearbeiter nie tätig.
Anmerkung:
Bislang war immer von 300 bzw. 240 Fällen die Rede!?!
Andere Akten hatte er nicht an Kollegen weitergereicht, obwohl diese ab einem bestimmten Alter für die Kinder zuständig gewesen seien. Tümmels vernichtendes Fazit: "Der Casemanager hat keine aktive Fallsteuerung betrieben, sondern nur ereignisbezogen reagiert. Und das sogar oft nur nach wiederholten Mahnungen." Mit anspruchsvolleren Fällen sei er nicht klar gekommen.
Auf Drängen des Ausschussvorsitzenden Helmut Pflugradt rang sich Tümmel zu der Aussage durch, dass der Vorgesetzten des Mannes "solche Missstände eigentlich nicht über zwei Jahre hätten verborgen bleiben dürfen". Auch die Tatsache, dass der Fallmanager nie einen problematischen Fall im Team vorgestellt habe, hätte auffallen müssen. Mehrfach unterstreichen sich die Journalisten das, was dann kommt:
"Eine Regelprüfung hat im Sozialdienst Junge Menschen nie stattgefunden."
Selbstkritisch merkte Tümmel an, dass ihm dies als Mitarbeiter der Innenprüfung nicht aufgefallen sei. Mit Kopfschütteln quittierten die Ausschussmitglieder am Ende der Befragung, dass die Fälle von Kevins Amtsvormund bis heute nicht überprüft wurden. Das Argument, gegen den Mann liefen zur Zeit strafrechtliche Ermittlungen, lassen sie nicht gelten: "Schließlich geht es doch um weitere mögliche Kindeswohlgefährdungen."
...
Anmerkung:
Für das gesamte Jugendamt gibt es genau 2 Leute in der Innenrevision.
40% aller ehelichen Kinder erleben eine Scheidung der Eltern, 30% aller Kinder werden in Bremen unehelich geboren. Die Lebenssituation all dieser Kinder wird wesentlich vom Jugendamt beeinflusst.
Verantwortliche Eltern fordern:
Die Innenrevision des Jugendamtes muss auf mindestens 10 Leute für einige Jahre aufgestockt werden, um dort für gesetzesgemäße Zustände zu sorgen. Diese Leute dürfen auf keinen Fall aus den Kreisen der Jugendämter kommen.