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Zitiert aus:

taz

15.2.2007

unicef-studie
Peinliche Schlappe
KOMMENTAR
VON PETRA SCHELLEN

Es ist schon eigenartig: Da werben zwei Hansestädte um die Wette mit ihren Kulturhauptstadt-Qualitäten. Definieren sich gar als Pioniere für die Kinderkultur, wie in Hamburg geschehen - um dann bei der ersten Unicef-Studie zur Gesundheit und Bildung von Kindern senkrecht abzustürzen.
Da finanzieren Hamburger Mäzene freien Eintritt für Kinder in Museen - ob die Kleinen überhaupt lesen können, interessiert offenbar nur am Rande.

Da präsentiert sich Bremen als Touristenmagnet - um dann zu offenbaren, dass der verwahrlost gestorbene Kevin kein Einzelfall war, sondern Symptom.

Was ist los in Norddeutschlands Hansestädten, die das Geld für Repräsentativbauten ausgeben, beim Kinderschutz aber versagen? Noch weiß man es nicht, zeigt die Studie doch bislang nur Fakten, die die Verantwortlichen nicht schätzen werden. ...

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Ausschnitte aus:
Unicef-Studie „Child poverty in perspective: An overview of child well-being in rich countries" Download als PDF
Studie „Zur Lage der Kinder in Deutschland: Politik für Kinder als Zukunftsgestaltung" von Professor Hans Bertram, Humboldt-Universität zu Berlin Download als PDF

und Kommentare des Väteraufbruch für Kinder, Landesverein Bremen e.V.

Kurzfassung der Ergebnisse in Statistiken:



Kommentar:


Materielle Situation

Bremen gehört zu den Bundesländern mit der höchsten Wirtschaftskraft und der höchsten Kaufkraft in der Bundesrepublik.
Da sich Bremen konstant arm rechnet, und sich die Möglichkeit dazu auch dauerhaft offen halten will, indem bis an die Grenze der Karlsruher Wächter investiert wird, erhält Bremen zusätzlich die höchsten Mittel pro Kopf aus dem Bundesfinanzausgleich, zusätzlich fließen reichlich Gelder aus dem ESF, und Bremerhaven ist Fördergebiet2 für europäische Strukturmaßnahmen.
Weiter  gelten in Bremen für Kinder getrennter Eltern weit höhere Sätze zu Kindesunterhalt etc. als bundesweit üblich. (Dieser u.a. von Richterin Heinke am OLG hergestellte Zustand  wirkt als Magnet für überwiegend materiell eingestellte Mütter.)
Wenn dann immer noch Bremen am Punkt  "materielle Situation der Kinder" in der Bundesrepublik an letzter Stelle steht, kann die Politik des Landes sich schon seit Jahren nicht auf die Belange der Kinder und Eltern orientiert haben.

Gesundheit:
Die überwiegenden Kosten der Gesundheitsvorsorge tragen die Krankenkassen. Ob diese Leistungen in Anspruch genommen werden, ist aber eine Frage der Elternbildung. 
Der Fokus der Bremischen Gesundheitspolitik liegt auf der Gesundheit von Frauen.

Bildung
In Bremischen Kindergärten liegt der Betreuungsschlüssel auf der Hälfte des in der Bundesrepublik Üblichen. Die (überwiegend kirchlichen) Privatschulen können sich wegen ihrer hohen Qualität vor Andrang kaum retten, bekommen aber z.B. am Thema Ganztagsbetreuung keine staatliche Förderung.
Daraus folgern wir, dass erstens das schlechte Ergebnis keine Frage des Geldes für die öffentlichen Schulen  ist, sondern eine Frage der sinnvollen Gesamtsteuerung von oben.

Beziehungen zu Eltern und Gleichaltrigen
Aus dem Umstand, dass Bremen an diesem Punkt zumindest im Mittelfeld liegt, folgern wir, dass es im Land doch einige Erziehungskompetenz gibt, aber eben bei den Eltern, und nicht in der öffentlichen Hand. Entsprechend wird ein Konzept für die Zukunft der Kinder Bremens sich daran messen lassen müssen, inwieweit eine Demokratisierung im Bereich Familie und Kinder umgesetzt wird.
Bislang ist das Thema Kinder und Familie überwiegend der ZGF überlassen, die laut Landesgesetz ausdrücklich unabhängig von jeglicher demokratischen Willensbildung arbeitet.

Lebensweise und Risiken, eigene Einschätzung
Dass es zu diesen Themen keine Zahlen vorliegen (sollen), ist schon ein Skandal. Die Pisa-Studie ist 3 Jahre alt, und niemand kam auf die Idee, eine saubere Datenbasis zu erstellen und zu veröffentlichen, auf der dann auch sinnvolle politische Maßnahmen ergriffen werden können?  (Bremen weigert sich übrigens auch, einen Haushalt zu erstellen, der so aufgebaut ist, dass er mit anderen Bundesländern vergleichbar wäre. Dadurch werden aus Kennzahlen ersichtliche Maßnahmen verhindert, und jeglicher Ideologie und Filz gegen die Interessen der Bevölkerung sind Tür und Tor geöffnet.).

Hier müssen wir feststellen, dass es offenbar Ziel ist, die auf Ideologie statt auf dem Willen und Wissen der Eltern beruhende Politik der letzten Jahre und Jahrzehnte ganz beruhigt weiter zu verfolgen.
  




Kommentar:
Aus dieser Grafik folgern wir, dass die bisherige Familienpolitik, die sich überwiegend auf Transferleistungen und darin die materielle Besserstellung von Alleinerziehenden beschränkte, nicht wirklich Kern der Familienpolitik sein und bleiben kann: Die Niederlande, die zu den Gewinnern der Studie gehören, liegen hier nur etwa 10% vor der Bundesrepublik.
Dort ist jedoch der Kontakt zwischen Kindern und Eltern noch besser als in  der Bundesrepublik.
Die Studie zeigt eindeutig in die Richtung, dass der Kontakt Eltern-Kinder noch weiter gestärkt werden muss, und dass der Abgleich der Wünsche der Eltern mit den Zielen der Familien- und Kinderpolitik einen wesentlichen Schlüssel darstellen.
Voraussetzung, dass dies in Bremen umgesetzt würde, wäre aber, dass die entsprechenden senatorischen Stellen überhaupt erst mal selbst die Verantwortung für diese Politikbereiche übernehmen, statt die Frauenbeauftragte als Ausdruck eines wohl wenig gleichgestellten Familienbildes für diese Politikbereiche an Bundesgesetzen vorbei (Unabhängigkeit) zuständig zu machen.
 


 
Kommentar:
Auch die Pisa-Studie zeigt eindeutig, dass sämtliche bisherigen Ansätze in Bremen nicht wirklich sinnvoll sind:
Da Bayern und Bremen ein vergleichbares Schulsystem haben - überwiegend Halbtagsschulen - kann die Ganztagsschule nicht die General-Lösung sein.
Es muss also Unterschiede in der Vorbildung der Kinder, in den Vorgaben an Schulen und in der Ausbildung der  Lehrer/innen geben. Bevor die nicht in sinnvoller Weise angepasst wurden, macht es auch keinen Sinn, die Katastrophe nunmehr ganztags ohne Ausgleichsmöglichkeit für die Kinder zu erzwingen.

Als Ausblick heißt es in der Kurzfassung der Studie:


Politik für Kinder
Trotz intensiver Debatten um die Zukunftsfähigkeit der deutschen Gesellschaft erscheinen Investitionen in das Wohl der Kinder bis heute offenbar als nicht so wichtig wie die Förderung anderer Bereiche. Obwohl sich die Angebote im Bereich der frühkindlichen Betreuung positiv entwickelt haben, ist Deutschland hinsichtlich der Bereitschaft, dort zu investieren, im internationalen Vergleich noch ein Schlusslicht. Deutschland bewegt sich zwar bei den Transferleistungen für Familien mit Kindern auf dem Niveau anderer europäischer Länder, indem es rund 2 Prozent seines Bruttosozialprodukts für Kinder aufwendet. Der entscheidende Unterschied etwa zu Frankreich oder Dänemark ist, dass diese Länder zusätzlich erhebliche Summen in die Entwicklung einer Infrastruktur für Kinder eingebracht haben. So investierte Dänemark fast 3,8 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in finanzielle Transfers und institutionelle Unterstützungsleistungen für Familien mit Kindern im Vorschul-Bereich. Frankreich wendet in diesem Bereich mit 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 50 Prozent mehr auf als Deutschland.

Vor diesem Hintergrund fordert UNICEF eine Kinderpolitik, die umfassend die Entwicklung der Chancen und Kompetenzen von Kindern fördert und die Perspektive der Kinder mit einbezieht:

Verlässliche Lebensumwelten für Kinder lassen sich nur schaffen, wenn Unterstützungsangebote für Kinder in Krippe, Kindergarten und Schule so organisiert sind, dass Kinder und Eltern sie als Teil ihrer Lebenswelt begreifen und sie aus ihrer Sicht attraktiv sind.

Kommentar:
Genau unser Reden. Neben der Verlässlichkeit, zu der auch Qualität gehört, also ein Schlüssel in Kindergärten von maximal 10 Kinder auf eine voll ausgebildete und voll bezahlte Kraft, Sonderbetreuungsbedarfe zusätzlich, zählt die inhaltliche Akzeptanz und Attraktivität für die Eltern. Ein Politikansatz, der über einen ökonomischen und ideologischen Zwang zur Krippen- und Ganztagsbetreuung Frauen zwangsbefreien will, ist vollkommen unangebracht und wirkt sich destruktiv aus.

Solange natürlich auch die Qualität der Angebote in Bremen wegen Sparzwang nicht  stimmt, werden sich kaum Eltern bereit erklären, diese Angebote zu nutzen. Auch dass zunehmend Arbeitsämter und Hartz IV-Stellen  mit Kürzungen drohen, wenn die Kinder nicht ganztags fremdbetreut werden, mindestens ein Elternteil also mindestens halbtags zu hause bleiben will, trägt nicht wirklich zu Akzeptanz bei, auch wenn die Verfechterinnen dieser Politik über die Ergebnisse in Zahlen jubeln, und ihre Politik als akzeptiert darstellen.
Daher muss hier zunächst die Qualität erhöht werden, und dann entsprechend der Nachfrage das Angebot erhöht werden.
Sprüche wie: "Du willst einen Ganztagsplatz für Euer Kind? Dann lass Dich doch erst mal scheiden!" verstehen Eltern nicht wirklich als attraktive Unterstützung.

Wir meinen allerdings im Unterschied zu dieser Studie, das sich Unterstützungsangebote auch auf die Elternkompetenz und  auf die Bereiche ausdehnen muss, in denen Erziehung nicht als Dienstleistung angeboten wird: Sichere Spielplätze, Förderung von Vereinen und Institutionen, in denen Kinder, Jugendliche und Eltern aktiv werden können, wirksame Kontroll- und Steuerungsmöglichkeiten für Eltern im Bereich Kinder-, Jugend-, Bildungs- und Gesundheitspolitik.
 
Die Integration der Kinder nichtdeutscher Herkunft und weiterer Kinder aus benachteiligten Familien ist eine zentrale Frage für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Es müssen verstärkt integrative Angebote entwickelt werden, die gerade diese Kinder in Krippe, Kindergarten und Schule fördern und ihnen das Gefühl vermitteln, akzeptiert zu werden. In Regionen mit einer hohen Konzentration ökonomisch benachteiligter Familien müssen Bildungs- und Förderungsangebote besonders stark ausgebaut werden - dies ist eine lohnende Investition für die ganze Gesellschaft.

Kommentar:
Diese Forderung der Studie ist das exakte Gegenteil der aktuellen Bremischen Politik. Während die Problem-Stadtteile bezüglich Jugendangeboten mehr oder minder aufgegeben wurden (z.B. Jugendheime), werden im Rahmen des ZGF-Projektes "Bündnis für Familie", an dessen Teilnehmern sich exakt ablesen lässt, welche Behörden und Landesbetriebe unter der Fuchtel der ZGF stehen, Betriebskindergärten als Bonbon für ideologische Nähe gefördert, also das Gegenteil von Integration betrieben.

Natürlich können Betriebskindergärten sinnvoll sein, insbesondere da dort der Begriff Erziehungspartnerschaft eine wichtige Rolle spielen kann. Wenn aber das Jugendamt einen Betriebskindergarten hat, damit die eigenen Kinder ja nicht mit dem beruflichen Klientel (also sozusagen den eigenen Opfern) in Kontakt kommt, stellt sich eben doch die Frage nach der Integrationswilligkeit.

Zusätzlich stellt sich natürlich die Frage, was Integration bedeuten soll. Da es auch hier einen deutlichen Unterschied zwischen den Berufsgruppen der Fremderziehung und der Bevölkerung gibt, muss natürlich zuerst diese Frage abgeglichen werden, bevor Fremderziehung von Eltern als "attraktiv" anerkannt wird.
 
Die Kommunen müssen begreifen, dass sie mehr tun müssen, um jene Eltern zu halten, die jetzt mit ihren 4- bis 7-jährigen Kindern die Städte verlassen. Nur über diese Familien besteht die Chance, dass Kinder unterschiedlicher ethnischer Hintergründe gemeinsam lernen können. Nur so lässt sich das Auseinanderdriften der Gesellschaft bremsen.

Kommentar:
Das müssen nach unserer Zahlenkenntnis im Land Bremen etwa 10% aller jungen Eltern sein. Diese Eltern bezeichnen wir als verantwortlich, da sie mit dem Umzug sofort einen hohen Sprung in den durchschnittlichen Bildungsergebnissen und damit auch späteren Berufschancen für ihre Kinder erzeugen.
Hintergrund der Auswanderung über die Grenzen der Bundeslandes ist also, dass die Interessen von Eltern in Bremen weniger Berücksichtigung finden, als andernorts.
 
Daraus ergibt sich die logische Frage: Wessen Interessen werden denn in Bremen verfolgt, und wer wirft die entsprechenden Leute aus der Handhabe auf die Belange von Kindern und Eltern?

Die Politik muss ihren zersplitterten, an einzelnen Ressorts orientierten Ansatz zugunsten einer integrativen Perspektive aufgeben und Kinder in den Mittelpunkt stellen. Die explizite Aufnahme der Kinderrechte in die deutsche Verfassung und der Einsatz eines Kinderrechtsbeauftragten auf Bundesebene könnten diese Politik stärken.

Kommentar:
Den ersten Satz halten wir für richtig. Bestes Beispiel: Der Untersuchungsausschuss Kindeswohl, bei dem es offensichtlich ausschließlich darum geht, den Schaden durch eine Fragestellung nur auf das Jugendamt bezogen zu begrenzen, und entsprechend die Schuld an der allgemeinen Misere wenigen Leuten in den Jugendämtern zu übergeben. Die restlichen Strukturen sollen so weiter machen können, wie bisher - mit dem gleichen absehbaren Ergebnis.

Der zweite Satz mag auf unicef-Ebene Sinn machen, in Bremen jedoch nicht. In einem Bundesland, in dem es an er Tagesordnung ist, dass Bundesgesetze in Behörden per Arbeitsanweisung ausser Kraft gesetzt werden, brauchen wir keine anderen oder neuen Gesetze, sondern Bürgerbeteiligung und öffentliche Kontrolle der Behörden.
Insofern müssen wir hier sämtlichen Ansätzen, die auf obrigkeitsstaatliches Denken beruhen, eine Absage erteilen.
Dies umso mehr, da die Strategie der Frauen, die augenblicklich die Politik um die Felder Kinder, Jugendliche und Familien bestimmen, ausdrücklich darauf fußt, zentrale Schaltstellen personell zu besetzen, und von dort aus unter Ausschaltung jeglicher gesellschaftlicher Diskussion ihre nicht mehrheitsfähige Politik umzusetzen. Dies ist daher wissentlich eine Politik gegen die Interessen der Menschen.

Bis heute ist es nicht möglich, die Lebenssituation der Kinder in Deutschland anhand der von UNICEF untersuchten sechs Dimensionen kindlichen Wohlbefindens umfassend zu analysieren. Bund, Länder und Gemeinden müssen diese Daten systematisch erheben - als Grundlage für zielgerichtete politische Maßnahmen auf Bundesebene und in den Regionen.

Kommentar:
Auch diese Forderung können wir nur so verstehen: Entweder stochert Politik im Trüben herum, oder die bisherige Politik verfolgt Ziele, die mit den Interessen der Kinder nichts zu tun haben - oder beides: Die Parteien und Parlamente begreifen nicht, welche Ziele diejenigen, an die Kinder- und Familienpolitik parteiübergreifend delegiert wurden, verfolgen.

Wir müssen natürlich noch hinzufügen, dass es nicht nur um die Erhebung der Daten geht, sondern vor Allem auch darum, dass diese Daten veröffentlicht werden, um so eine öffentliche Diskussion und Überprüfung der von Politik versprochenen Ziele überhaupt erst einmal zu ermöglichen.

Weiter zeigt die folgende Grafik, dass alle bisher diskutierten  Steuerungsmechnismen eines gemeinsam haben: Sie sind falsch, da Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Bereichen angenommen wurden, und versucht wurde, darüber zu steuern.

Offensichtlich müssen ALLE Bereiche optimiert werden.
Entsprechend sind Leute aus allen Bereichen auch verantwortlich - jeweils für die Stelle, an der sie sind!



Hier zeigt sich dann aber auch, wie absurd der Anspruch der "Bremer Erklärung" ist, wenn darin gefordert wird, die ganze EU mit bundesrepublikanischen Zuständen zu beglücken.
Noch deutlicher kann es wohl kaum gemacht werden, dass die offizielle Parteipolitik (parteiübergreifend übrigens) die Verantwortung für das Themenfeld Familie und Kinder weg delegiert hat in die Hände von Frauenpolitik, die eben nicht Politik für Kinder und Eltern ist, sondern purer Geschlechtslobbyismus.

Liebe Politiker/innen:
Glauben Sie bitte nicht, dass wir Ihre Galanterie gegenüber feministischen Kadern als sinnvolle Familien-, Kinder- und Zukunftspolitik wählen werden!


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Zitiert aus:

taz

15.2.2007


Der Norden ist nichts für Kinder
Armut, fehlende Bildung, hohe Säuglingssterblichkeit: Kindern in Bremen geht es nach einer neuen Unicef-Studie am schlechtesten im Vergleich aller 16 Bundesländer. Auch Hamburg und Schleswig-Holstein schneiden nicht gut ab

Von Elke Spanner

In Norddeutschland aufzuwachsen, ist für Kinder keine gute Adresse. Einer Studie von Unicef zufolge sind die Zukunftschancen für Kinder in Deutschland insgesamt nur mittelmäßig, im Norden sogar auffallend schlecht. 

Vor allem Bremen schneidet alarmierend ab: Dort sind Kinder besonders armutsgefährdet, schlecht in den schulischen Leistungen und gesundheitlich auffallend mangelhaft versorgt.

In der Rangliste der Bundesländer steht Hamburg auf Platz sieben, Schleswig-Holstein auf Rang elf- und Bremen auf dem allerletzten Platz. In einzelnen Kategorien variieren die Zahlen: So ist Hamburg bei der Bildung bundesweites Schlusslicht, bei der gesundheitlichen Versorgung dafür auf einem Spitzenplatz. Schleswig-Holstein ist bei der materiellen Sicherheit der Kinder vergleichsweise gut, bei den Bildungschancen auch eher hinten. Und Bremen schneidet in allen Kategorien auffallend schlecht ab.

Vor allem der Gesundheitszustand, die Sicherheit und das Risikoverhalten der Kinder in Bremen fällt auf. Schon die Säuglingssterblichkeit ist hoch: Auf 1.000 Geburten kommen an der Weser sechs Todesfälle - Sachsen hat im Vergleich 3,2 Fälle. Babys haben in Bremen insgesamt schlechtere Startchancen. Ein geringes Geburtsgewicht ist ein wichtiger Indikator für den Gesundheitszustand der Mütter und die vorgeburtliche Entwicklung des Kindes. 

Kommentar:

Das Geburtsgewicht ist vor Allem ein Zeichen für das emotionale Verhältnis der Mutter zur Schwangerschaft / zum späteren Kind! Die Ideologie Frau/Mutter=Opfer hat also durchaus Wirkungen, die eben nicht durch mehr Geld und mehr sozialpädagogische Unterstützung aufgehoben oder ausgeglichen, sondern verstärkt werden.

Hamburg beispielsweise steht hier relativ gut da - Bremen weist erneut sehr schlechte Werte auf. Alarmierend auch die Zahl der Todesfälle bei Kindern bis 20 Jahre durch Unfälle oder andere Ursachen: Hier gehört Bremen wiederum "zur Schlussgruppe", wie die Autoren der Studie schreiben.

Sie erinnern daran, dass "mit großer Selbstverständlichkeit die steigenden Gesundheitskosten mit dem medizinischen Fortschritt und dem steigenden Lebensalter der Bevölkerung begründet werden". Da stelle sich die Frage, warum bei der kindlichen Gesundheit nicht das Niveau beispielsweise von Dänemark oder Schweden erreicht werden könnte, die weniger Geld in Medizin investierten. 

Dass Deutschland bei der Bildung europaweit im unteren Mittelfeld liegt, ist seit der ersten PISA-Studie aus dem Jahr 2000 bekannt.

Die regionalen Unterschiede, die die Unicef-Studie aufgedeckt hat, zeigen, dass gerade im Norden erheblicher Reformbedarf besteht. Bremen und Hamburg liegen in der Leistungskompetenz ihrer Schüler "unterhalb des Durchschnitts, teilweise im letzten Drittel". Kinder aus Bremen liegen etwa so weit hinter denen aus Bayern und Sachsen zurück wie Kinder aus Portugal hinter Altersgenossen aus Japan oder Finnland.

Kommentar:

Es gibt also durchaus Beispiele in dem allgemeinen System in Deutschland, die weit besser funktionieren als in Bremen.

Diese regionalen Unterschiede hingen laut Unicef auch damit zusammen, dass in einzelnen Bundesländern unterschiedliche Unterrichtsmethoden und Leistungserwartungen der Lehrer Einfluss auf die Leistungen der Kinder nehmen. Aber nicht nur: "Da auch die anderen Indikatoren, die Unicef heranzieht, um das Wohlergehen der Kinder im Bildungsbereich zu vergleichen, ähnliche Differenzen aufweisen, stellt sich die Frage, ob diese Unterschiede tatsächlich allein auf die Institution Schule zurückgeführt werden können."

Schlecht sieht es im Norden vor allem auch für Migrantenkinder aus. In Hamburg kommen 20 Prozent, in Bremen 16 Prozent der 15- bis 19-Jährigen aus Elternhäusern mit nichtdeutschem Hintergrund - und bisher wurde es Unicef zufolge nicht geschafft, diese in das Schulsystem zu integrieren und ihnen die gleichen Lebenschancen zu ermöglichen wie Kindern aus deutschen Elternhäusern...


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