Zitiert aus:
TAZ
9.2.2007
Verpfeif deine Regierung im Netz
"Wikileaks" fordert die Mächtigen der Welt heraus
Von unserem Korrespondenten
Alexei Makartsev
LONDON. ... Nur noch ein paar Wochen,
dann wird im Internet ein neuer Enthüllungs-Webdienst starten, der sich
auf geheime Dokumente aus Tresoren und Schubladen spezialisieren will,
die nicht für fremde Augen bestimmt sind. Das englischsprachige Projekt
Wikileaks (www.wikileaks.org)
setzt sich das Ziel, skrupellose Regierungen, kriminelle Konzerne,
korrumpierte Behörden und alle anderen Organisationen zu entlarven, die
etwas zu verbergen haben. Das Wortteil "Wiki" erinnert an Wikipedia,
die schnell wachsende Online-Enzyklopädie. "Leaks" bedeutet zu Deutsch
"undichte Stellen". Genau darauf baut die öffentliche Bloßstellung im
Netz auf: Von Gewissensbissen geplagte Beamte und rechtschaffene
Firmenmitarbeiter sollen anonym Verschwörungen auffliegen lassen oder
ihre unmoralischen Vorgesetzten verpfeifen."Drei Dinge können nicht
lange versteckt bleiben: die Sonne, der Mond und die Wahrheit": Mit
diesem Buddha-Zitat fordern 22 anonyme Projektbegründer die Mächtigen
der Welt heraus. Wer sich hinter Wikileaks verbirgt, ist unklar.
Angeblich haben sich chinesische und russische Dissidenten mit
Mathematikern, und Sicherheitsexperten aus USA, Taiwan, Europa,
Australien und Südafrika verbündet. Sie verfügen nach eigenen Angaben
jetzt über 1,2 Millionen teilweise brisante Dokumente aus "undichten
Stellen". Bis zum Start des Enthüllungsportals könnte sich dieser große
"Haufen Dreck" in einen Riesenberg verwandeln - wenn sich die
Geheimnisträger in aller Welt dem Schutz der modernen Anonymisierungs-
und Verschlüsselungssoftware anvertrauen. "Wir wollen ihnen Mut machen"
zitierte die Nachrichtenagentur Reuters eine anonyme Beraterin von
Wikileaks. "Die Zeit ist reif für unser Projekt", ist sie überzeugt.
Denn die Reaktionen auf dessen Vorstellung seien "überwältigend und
sehr positiv" gewesen.Spione sind out, die "Whistle-Blower" sind in. ...
Kommentar:
Damit könnten wir uns derartig peinliche Untersuchungsausschüsse dann wohl auch sparen!
Aber Vorsicht: Die Informanten sollten natürlich darauf achten, sich
nicht wie laut Pressemeldungen jüngst im Staatsschutz beim
Übersenden anonymer Nachrichten filmen zu lassen!