Zitiert aus:
TAZ
31.1.2007
Verwaltung statt Besuch der
Betroffenen
Personalrat
schildert dem Kevin-Ausschuss permanente Arbeitsüberlastung
und schlechtes Betriebsklima
Chaotische Akten
allenthalben, kontinuierliche Arbeitsüberlastung, demotivierte
MitarbeiterInnen und keine Chance auf Abhilfe - Personalrat ... wusste
gestern im Untersuchungsausschuss "Kindeswohl" wenig
vertrauenerweckendes über das Amt für Soziale Dienst
zu berichten.
Bereits 2005 stellte ein
Revisionsbericht fast überall "erhebliche Mängel" in
der Aktenführung fest, kaum eines der Sozialzentren arbeite
"weitgehend mängelfrei", heißt es da. Auch seine
eigene Arbeit mochte ... nicht ausnehmen: "Das kann ich
bestätigen, auch für mich." Seit Jahren seien die
SozialarbeiterInnen nicht mehr in der Lage, alle ihnen
übertragenen Aufgaben zu bewältigen.
2001 hatte der von
... betreute Ambulante Dienst für junge Menschen
noch rund
150 Planstellen, heute seien es gerade noch 100. Zugleich habe die
Ausgliederung der Gesellschaft "Pflegekinder in Bremen" oder der
Drogenberatung mehr Arbeit mit sich gebracht und keine Entlastung.
Statt mit Menschen müssten sich die SozialarbeiterInnen vor
allem mit Akten befassen. Früher ... habe der Kontakt
mit den Betroffenen zwei Drittel der Arbeit ausgemacht, heute
kümmerten sich die SozialarbeiterInnen zu 70 Prozent um
Verwaltung.
...
Den Fallmanager von
Kevin beschrieb der Personalrat als kompetent. Jedoch wurde 2003 der
Verdacht des Alkoholismus gegen ihn laut, sagt ..., auch seine
KollegInnen hätten Probleme mit ihm gehabt, unter anderem weil
er nicht immer erreichbar gewesen sei. Die ihm daraufhin gemachten
Auflagen habe der Mann jedoch erfüllt. Warum er, wie
Grünen-Politiker Klaus Möhle sagte, im Fall Kevin
jedoch "zu eklatanten Fehleinschätzungen" kam, konnte
...
nicht erklären. Jedoch sei der permanente Druck
"fehlerbegünstigend" gewesen. mnz
taz Nord vom 31.1.2007, S. 24, 70 Z. (TAZ-Bericht), mnz
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Zitiert aus:
Weser-Kurier
31.1.2007
Morgens mit Bauchschmerzen zur
Arbeit
Personalratsmitglied
... berichtete Ausschuss von einem "verheerenden Klima" im Bereich
Ambulante Dienste
Von unserer Redakteurin
Rose Gerdts-Schiffler
BREMEN.
Mehrfach fiel gestern im Untersuchungsausschuss "Kindeswohl" der Name
der verstorbenen Sozialsenatorin Hilde Adolf. "Seit ihrem Tod wurde im
Amt nicht mehr inhaltlich entschieden, sondern hauptsächlich
nach
fiskalischen Gesichtspunkten", sagte ...,
Personalratsmitglied im Amt für Soziale Dienste .Über
drei Stunden lang
gewährte der frühere Sozialarbeiter den
Ausschussmitgliedern tiefe
Einblicke in den Sozialdienst Junge Menschen. So habe eine
Mitarbeiterbefragung bereits vor einigen Jahren ergeben, dass das Klima
nicht nur schlecht, sondern "verheerend" sei. Damals hätten 71
Prozent
keine Perspektive mehr für sich im Amt gesehen. "Ging es dabei
um einen
möglichen beruflichen Aufstieg ?", will der Vorsitzende Helmut
Pflugradt von dem Zeugen wissen. Doch der winkt ab. "Es ging im
wesentlichen darum, nicht morgens mit Bauchschmerzen zur Arbeit und
nachmittags mit Kopfschmerzen wieder nach Hause zu gehen." Das Ergebnis
der Befragung sei auch deshalb so fatal gewesen, weil Sozialarbeit von
der hohen Motivation des Einzelnen lebe. Doch eben diese habe drastisch
gelitten.So hätte es im Jahr 2001 im Bereich "Ambulante
Dienste Junge
Menschen" noch 150 Stellen gegeben. "Heute sind es noch 103 Stellen."
Viele Teilbereiche der Arbeit seien privatisiert und ausgegliedert
worden. "Das wurde den Mitarbeitern als Arbeitsentlastung verkauft.
Doch viele Sachbearbeiter sagen, dass sie mehr Arbeit haben als zuvor."
So räumte der 57-Jährige auf Nachfrage unumwunden
ein, dass bei
Krankheit keine tägliche Erreichbarkeit der Fallmanager oder
seines
Teams gewährleistet sei. Der Sozialarbeiter von heute solle
als
Fallmanager die Hilfen für die Familien koordinieren und dazu
auf ein
Netz von Trägern zurückgreifen können. Ein
theoretisches Konstrukt, das
nach Ansicht von ... nicht viel mit der Bremer Wirklichkeit zu tun
habe. Viele seiner Kollegen - aber auch einige Vorgesetzte aus den
Sozialzentren - hätten immer wieder signalisiert, dass das
"Fallmanagement" so nicht funktioniere. Denn: "Sozialarbeit ist
Beziehungsarbeit und lebt von persönlichem Kontakt zu den
Klienten",
betonte das Personalratsmitglied und fügte hinzu: "Wir kannten
früher
unsere Familien im Stadtteil, konnten präventiv eingreifen und
mussten
nicht vom grünen Tisch aus arbeiten und entscheiden." Doch alle
qualifizierten Stellungnahmen zu den Umstrukturierungen seien im Sande
verlaufen. Ebenso wie die Überlastungsanzeigen seiner Kollegen.
"Die
Amtsleitung hat solche Anzeigen zurück an die Leiter der
Sozialzentren
geschickt, und dann wurden nur die Arbeitsabläufe der
Sachbearbeiter
überprüft." Mehr Personal habe es nicht gegeben. Nach dem Tod der
früheren Sozialsenatorin Hilde Adolf hätten sowohl
der Personalrat als
auch die Mitarbeiter im Amt hauptsächlich mit Staatsrat Arnold
Knigge
zu tun gehabt. "Dem ging es mehr um fiskalische als um
inhaltliche
Themen." Damit seien Sparvorgaben erfüllt worden, die zuvor
von der
Politik beschlossen worden seien, wandte sich der Zeuge an die
Politiker der unterschiedlichen Parteien im Ausschuss. ...
Bemerkung
Staatsrat Knigge war die Allzweckwaffe im Sozialbereich - bis zur
Affäre Klinikum Ost.
Er war Staatsrat, in der Chefetagen des Klinikums Ost und der ALG
II-Stelle Bagis, und Mitarbeiter der Gleichstellungsstelle für
Frauen, ZGF.
In deren Tätigkeitsberichten, z.b. 2003, heißt es
sinngemäß: Die gesetzlich geforderte
Unabhängigkeit der Gleichstellungsstelle wurde
dadurch erfolgreich umgangen, dass Dr. Knigge gleichzeitig als
Staatsrat bei der Senatorin für Soziales, Frauen usw. und in
der Gleichstellungsstelle beschäftigt ist.
tatsächlich werden weite Bereiche der Themen Familienpolitik,
Kinder und Jugend von der ZGF gesteuert. Beispiel: Die letzte
Änderung des Unterhaltsrechtes im Bund heftet sich die ZGF ans
Revers.
Die gleiche "Konstruktion" wird heute über eine Frau
durchgeführt, jedoch nicht auf Staatsratsebene.
In dem "Bericht
der ressortübergreifenden Arbeitsgruppe Häusliche
Beziehungsgewalt“
vom
Juni 2006, erstellt unter Federführung der ZGF,
heißt es noch:
"Wie
im Bericht vom 4.3.2003 dargestellt, nimmt das Amt für Soziale
Dienste (AfSD) die Beratung der von häuslicher
Gewalt
betroffenen Personen nach Wohnungsverweisung wahr... Bei den von
häuslicher Gewalt betroffenen Personen
handelt es sich nahezu zu 100% um Frauen."
Logisch, dass Gewaltschutz für Kinder (und Männer)
dann keine
Rolle spielt. Wohl aber das Kindschaftsrecht, denn der AfSD gibt auch
Stellungnahmen für kindschaftsrechtliche Verfahren beim
Familiengericht, von denen immerhin etwa 40% aller Kinder
früher oder später betroffen sind - und
berät vorher dazu, welche
Anträge dort wie zu begründen sind, damit das
Jugendamt mitgehen kann.
Entsprechend gibt es 3 Anwältinnen in Bremen,
die die Mehrzahl ihrer Sorgerechtsklagen nur mit
einem lapidaren Hinweis auf eine Gewaltschutzmaßnahme
begründen.
Wie weit obige Aussage, die die Grundlage von Gewaltschutz und
Kindeswohl bis hin nach Brüssel in Politik und
Behörden auch weiterhin ist, von den
gesellschaftlichen Tatsachen entfernt sein muss, sehen Sie auch ohne
Studien von Uni's usw. hier,
einige Studien und Aufsätze zum Thema hier.
Worum es bei der Ideologie geht, Gewalt sei ein Wesensmerkmal des
männlichen Geschlechtes, Opferstatus das des
weiblichen, findet sich dann z.B. in der Bröschüre
"LGG - Das Bremer Landesgleichstellungsgesetz":
"Schon 1987 hat das
Bundesverfassungsgericht anerkannt, dass der Gesetzgeber aus
sozialstaatlichen Motiven zu einer Ungleichbehandlung der Geschlechter
befugt sei, wenn die Maßnahme auf eine Kompensation erlittener
Nachteile ziele. (Beschluss vom 28.1.1987 - 1 BvR 455/82 -
E 74, 163,
180)"
Dass
sich Gewaltschutz auf den Schutz von Frauen als
Opfer bezieht,
während die Seite der Kinder kaputtgespart wird, hat also
durchaus ökonomische Gründe, aber eben ganz andere,
als allgemein diskutiert: Wenn Frauen nicht fast
ausschließlich die Opfer häuslicher Gewalt sind, wie
soll dann das generalisierte Schmerzensgeld für Frauen wegen
Geschlecht argumentiert werden?
Jugendämter, die die Kapazität hätten, sich
die Verhältnisse vor Ort anzusehen, würden nicht
mehr auf der Basis von Ideologie arbeiten, sondern (auch) auf der Basis
gesellschaftlicher Tatsachen.
Genau diese Möglichkeit wird seit Jahren in Bremen gezielt
abgebaut.
Hätten
die Jugendämter noch Kontakt zu den Familien, würden
sie die Erziehungsfähigkeit und Gewaltfreiheit auch von
getrennten
Müttern prüfen, und zu einem
ähnlichen Schluss kommen, wie diverse Studien: Gewaltfreiheit
und Förderung der Kinder ist eine alte
gesellschaftliche Anforderung an Frauen, aber keine Tatsache bei
jeder einzelnen Frau - und wenn das Thema Gewalt eine Rolle
spielt, muss doppelt hin geschaut werden. Es gibt ja durchaus den
Spruch: Gleich und Gleich gesellt sich gern.
Insofern ist das Zusammenstreichen der
Stellen in den Jugendämtern angewandte Politik der
"Besserstellung von Frauen" der ZGF, umgesetzt durch Hr. Knigge. Es
ging also nicht um Geld. Denn: Stellt sich später heraus, dass
der
Vorschlag des Jugendamtes schlicht unsinnig war, kommt das Kind in eine
Pflegefamilie oder ein Heim - der Vater ist ja schon aus dem Spiel -
und das kostet dan richtig!
Deshalb gibt es mehr Kinder in Pflegefamilien in Bremen als anderswo,
und das ist teurer, als wenn das Jugendamt von vorn herein sauber
arbeiten würde.
Abschätzung: 3 bis 4 Kinder iin Heimen kosten
jährlich etwa das Gleiche, wie eine Planstelle im Jugendamt.
Verantwortliche Eltern meinen:
Die Schwächsten der
Gesellschaft sind die Kinder. Feministische Familienpolitik verhindert
durch die darin enthaltene Opferkonkurrenz einen wirksamen Schutz der
Kinder vor Gewalt jeglicher Form.
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Ging Budgetplanung vor Kindeswohl?
Innenrevision
durchleuchtet Amtsstrukturen im Fall Kevin / Auch die Vorgesetzten des
Fallmanagers haben versagt
Von unserer Redakteurin
Rose Gerdts-Schiffler
SPEZIAL:
Untersuchungsausschuss "Kevin"
BREMEN. Mit Spannung
wird am kommenden Donnerstag die Zeugin Ulla H. vor dem Ausschuss
"Kindeswohl" in der Bürgerschaft erwartet. Als
Stadtteilleiterin war sie die direkte Vorgesetzte von Kevins
Fallmanager. In einem vertraulichen Bericht der Innenrevision wird der
Stadtteilleiterin "eine gefilterte und unvollständige"
Berichterstattung vorgeworfen. Auf 90 Seiten analysiert der
Innenrevisor
die "Verwaltungsstrukturen und Ablaufprozesse" im Bereich der
Erziehungshilfen unter Berücksichtigung des tragischen Endes
des kleinen Jungen.
Kommentar:
Diese Analyse der
Innenrevision gehört in einem demokratischen Staat
anonymisiert veröffentlicht, und zwar in dreimonatlichen
Abständen - und nicht nur nach unvertuschbaren Skandalen.
Eltern haben ein Recht, zu erfahren, wie es zu diversen absurden
Entscheidungen und Stellungnahmen an die Familiengerichte
bezüglich ihrer Kinder kam, und was die Innenrevision
dazu zu sagen hat. Jede Elterntrennung wird über die
Schreibtische dieser Behörde geregelt! Wenn die Innenrevision
Fehler aufdeckt, haben die Familiengerichte auf deren Basis
längst dauerhaft die Erziehungsverhältnisse
beschlossen. Wo ist da
die Rückkopplung zu Eltern / Gerichten?
Lediglich eine Seite
widmet er dem Amtsvormund von Kevin. Es sei unverständlich,
warum dieser keine Vaterschaftsfeststellungsklage eingereicht habe,
wunderte sich der Revisor.
Die Antwort gab eine
nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses.
Dort erfuhren die verblüfften Mitglieder kürzlich,
dass der Amtsvormund sehr wohl wusste, dass Bernd K. nicht Kevins
leiblicher Vater war....Dennoch blieb der Junge nach dem
ungeklärten Tod seiner Mutter weiter in der Obhut von Bernd K.
Kommentar:
Wir hatten
bereits dargelegt, dass in der Situation
"Festgestellte mehrfache Knochenbrüche beim Kind" die
leibliche Elternschaft überhaupt keine Rolle in der Frage
spielt, ob das Kind aus den Umständen heraus geholt
werden muss, und zwar von Allen, die davon wussten.
Ebenso hatten wir dargelegt, dass hier die Rolle der
Richterin, die
laut Gesetz, das sie letztlich selbst mit entwickelt hat,
hätte handeln müssen, durch die Wahl des Themas des
Untersuchungsausschusses ausdrücklich nicht
im Abschlussbericht auftauchen soll. (Kindeswohl
im Amt für soziale Dienste). Der
höchste Vorgesetzte der Richterin ist der
Bürgermeister.
Untersuchungsausschüsse arbeiten sich üblicherweise
von der
Sachbearbeiterebene zur Ebene der politischen Verantwortung hoch. Der
UA soll noch vor den Wahlen zu Ergebnissen kommen. Da will der
Bürgermeister natürlich 2 Wochen vor den Wahlen damit
protzen, dass er
3 Planstellen mehr geschaffen hat, und das Thema Kindeswohl an eine
Sozialsenatorin deligiert hat, die sehr kompetent sei.
Und wenn nicht, fliegt sie eben auch als Bauernopfer der
tatsächlichen Strukturen beim nächsten toten
Kind.
Als "nicht
nachvollziehbar" wertete der Revisor die Begründung
für diese Entscheidung des Amtsvormundes. Dieser hatte
ausgeführt, der Mann sei ansonsten
selbstmordgefährdet. Verwunderung und Kritik klingen auch
hinsichtlich der Rolle von Ulla H. durch. Die Stadtteilleiterin war
laut Aktenlage seit Februar 2006 in den Fall Kevin eingebunden. "Es
fällt auf, dass die von ihr verfassten Berichte nicht immer
vollständig den tatsächlichen Sachverhalt
widerspiegelten", schreibt der Revisor. So habe sie dem
Amtsleiter
mitgeteilt, dass Kevin im Programm "Frühe Hilfen" betreut
werde.
Kommentar:
Na, da können wir dem Mann wohl noch diverse Aktenzeichen und
Mitarbeiter/innen mehr nennen... Daher auch unsere bereits
erwähnte
Forderung, die glücklicherweise schon Gehör zu finden
beginnt: 10
Innenrevisoren müsen sämtliche noch aktuellen
Jugendamtsakten
überprüfen, und festgestellte Mängel auch
bezüglich der
Lebensverhältnisse der Kinder richtig stellen.
Dann klappt's u.a. auch bei Willi Lemke (Bildungssenator / Pisa).
Zugleich verschwieg die
Stadtteileiterin jedoch, dass die Eingangsuntersuchung für die
"Frühen Hilfen" gar nicht stattgefunden hatte, da Bernd K.
gleich drei Termine versäumt hatte und somit die
Unterstützung für den kleinen Jungen gar nicht
anlaufen konnte. Selbst nachdem sie erfahren hatte, dass Bernd K. das
Amt von hinten bis vorne belogen habe, dauerte es noch vier Wochen, bis
Kevin endlich aus der Wohnung geholt werden sollte, rügt der
Prüfer. Kritik auch am Sozialzentrumsleiter: Bernd K. sei eine
"tickende Zeitbombe", hatte sein Arzt D. S. in einem Schreiben an den
Sozialzentrumsleiter gewarnt und auf die prekäre finanzielle
Situation des Mannes hingewiesen.
Hinweis:
Der Arzt wird wegen Verstoß BTM angezeigt. Bernd
K. hatte einige Zeit kein ALG II bekommen wegen ähnlichen
Zuständen in der Stelle wie in den Jugendämtern.
Zuständig seitens der senatorischen Stellen:: Obiger Dr.
Arnold Knigge.
"Aus der Akte geht nicht
hervor, dass der Sozialzentrumsleiter auf diese bedrohliche Situation
reagiert hat", heißt es in dem Bericht. In dem
Prüfbericht findet sich auch ein Schriftstück von
September 2005, das zu belegen scheint, dass das Kindeswohl der
Budgetplanung untergeordnet wurde und nicht anders herum. Es handelt
sich um einen Brief an die Fallmanager: "Liebe Kollegin, lieber
Kollege, bis zum Jahresende gibt es keine stationären
Heimaufnahmen mehr. Neufälle werden nur nach Fallgruppe 1
genehmigt" (geringerer Unterstützungsbedarf als Fallgruppe 2,
Anm. der Redaktion).
Als Begründung
heißt es in dem Brief lapidar, dass die "vereinbarten
Zielvorgaben zwischen Amtsleiter und Sozialzentrumsleitung" nicht
eingehalten werden konnten.
Kommentar:
Aus einigen Fällen, die betroffene Eltern in unserer
Selbsthilfe
erzählten, drängt sich im Zusammenhang mit dieser
Äußerung der Verdacht
auf, dass findige Jugendamtsleute daraufhin auf folgende geniale Idee
kamen: Kinder kommen nicht auf Kosten des Landes in Heime,
sondern auf Kosten der Krankenkassen in Psychiatrien! (Wenn die
Jugendämter uns durch Vorlage von Zahlen von dem Gegenteil
überzeugen
könnten, wären wir sehr beruhigt.)
Wohlgemerkt: Erziehungsunfähigkeit ist ein dehnbarer Begriff.
Dazu
gehört natürlich auch, dass Elternteile sich
weigern, die
Vorschläge des Jugendamtes als Ausdruck von Kindeswohl
anzusehen. Genau
da schließt sich der Kreis, der nur durch öffentliche
Kontrolle aufzulösen ist.
Verantwortliche Eltern fordern:
- Rückführung der
Verantwortung für
Pflegefamilien in die Behörden, somit direkt unter
politische und demokratische Kontrolle
- Verantwortliche
Personalausstattung in den Jugendämtern
- Schulung der Mitarbeiter/innen
dort auf den heutigen Stand der Forschung
- Förderung der
Erziehungsfähigkeit bei allen Eltern,
bei getrennten bei beiden, nicht nur der allein-erziehenden Seite
- Dreimonatliche
inhaltliche Innenrevision, Informationspflicht an betroffene Eltern und
Familiengericht bei Beanstandungen, entsprechend auch zu
Pflegefamilien, Heimaufsicht, Kinder- und Jugendpsychiatrien sowie
Frauenhäusern
Als Ergebnis wird sich dann eine gesellschaftliche Gesamteinsparung
ergeben. Eine Frage, die der Untersuchungsausschuss natürlich
nicht klären kann ist diese: Was haben die Zustände
in den Jugendämtern mit den Pisa-Ergebnissen oder den hohen
Zahlen von fremdplatzierten Kindern in Bremen zu tun?
Oder anders herum: Welche menschlichen, gesellschaftlichen und
fiskalischen Folgekosten hat
es, wenn 50 Stellen in Jugendämtern gestrichen wurden?