Napp- Peters, Anneke
Kunstmann, 1995, 3-88897-159-4 DM 24,90
Familien nach der Scheidung
Jede dritte Ehe wird heute in Deutschland geschieden; in den meisten Fällen
sind Kinder, ist eine Familie betroffen. Wie geht es danach weiter? Über die Folgen einer
Scheidung gibt es mehr ideologische Debatten als gesicherte Erkenntnisse, und noch weniger
wissen wir über die langfristigen Auswirkungen auf alle Betroffenen. In einer
Langzeitstudie hat die Familiensoziologin Anneke Napp-Peters erstmals 150 Familien
über 12 Jahre begleitet und Kinder, Mütter und Väter und neue Lebenspartner
nach ihren Erfahrungen und Einstellungen befragt.
Wie haben die Kinder die Trennung verarbeitet, wirkt sie in ihrem eigenen Leben nach? Wie
erleben die nichtsorgeberechtigten Väter und Mütter ihre >>Elternschaft auf
Distanz«, wie kommen umgekehrt die neuen »Stief«-Eltern mit ihrer Rolle zurecht? Vor
allem aber: Was versteht jeder unter Familie, wer gehört dazu? Anneke Napp-Peters hat
Erwachsene interviewt, die sich noch über 10 Jahre »danach« als »verlassene Frau«
oder »betrogener Ehemann« definieren, aber auch »Mehrelternfamilien«, die zu neuen
Modellen der Kooperation gefunden haben. In offenen Familienformen scheinen Anpassung und
Bewältigung am besten zu gelingen; doch für die meisten bleibt die Versuchung groß,
sich bei einer Wiederheirat am Idealbild der »Normalfamilie« zu orientieren. Die
Kehrseite dieses angestrengten Bemühens um »Normalität«, in das viele Geschiedene
ungeheure Energien investieren, ist Ausgrenzung, sind Loyalitätskonflikte der Kinder, die
ihren Wunsch nach Kontakt verdrängen müssen. Noch immer erfahren viele Eltern eine
Scheidung als individuelles Problem, für dessen Bewältigung kaum gesellschaftliche
Modelle zur Verfügung stehen, In zahlreichen Fallbeispielen geht dieses Buch sensibel auf
Lösungsstrategien ein und entwirft zugleich ein ebenso komplexes wie authentisches Bild
heutiger Familienrealität.
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