Erklärung zum Vatertag 2003

Wer ist Ansprechpartner für Männerfragen?

"Für Dich Papa. Haben wir im Kindergarten gemalt." Die zarten Finger des Kindes strecken dem Vater eine Rolle entgegen. Leuchtende Augen schauen den Vater an.

Viele Väter werden heute zum Vatertag die Aufmerksamkeit ihrer Familie spüren. Ihre Kinder werden ihnen vermitteln, dass die Väter in ihrem Leben ganz wichtig sind. Unersetzbar ist die Vaterliebe und lässt sich nicht gegen die Mutterliebe ausspielen.

Die Bundesregierung möchte den Vätern mehr Spielraum für ihre Kinder zukommen lassen. Auf Werbeträgern war zu lesen: Wäre es nicht schön, wirklich dabei zu sein? Man sieht einen Vater aus Pappe ausgeschnitten auf einem Spielplatz, in ein Schlafzimmer und in eine Küche gestellt.

Väter sind nicht aus Pappe, die sich durch welches Ministerium hinschieben lassen wohin man möchte. Warum sind sie nicht auf dem Spielplatz, im Schlafzimmer oder in der Küche bei ihren Kindern? Papa ist arbeiten, vielleicht sogar auf Montage, viele Kilometer weit weg von seiner Familie. Flexibilität verlangt sein Arbeitgeber ihm ab. Väter sind aus Fleisch und Blut und lassen sich nicht einfach wie Pappfiguren schieben. Sie unterliegen den Gesetzen eines Arbeitnehmers.

Väter interessieren sich für die Entwicklung ihrer Kinder. Sie müssen weitgehend auf die Betreuung verzichten, weil ihr Einkommen für die Familie dringend gebraucht wird. Sie sorgen in der Regel für den Familienunterhalt. Die Zeit für die Gestaltung ihrer Vaterbeziehung fällt deshalb wohl ehr bescheiden aus.

Studien besagen, dass Väter in ihrer Freizeit sehr wohl an ihren Kindern interessiert sind, sie versuchen die Verluste am Wochenende zu kompensieren. Werden Väter befragt, ob sie sich mehr Zeit für ihre Kinder wünschen würden, so ist der Trend eindeutig. Väter wollen mit ihren Kindern Zeit verbringen.

Gerade Väter brauchen  mehr als eine Kampagne, die um mehr Spielraum zum Vatersein wirbt. Es war die erste Kampagne der Bundesregierung seit Gründung und an praktischer Hilfe fehlt es. Was ist die Vaterschaft der Regierung denn wirklich wert? Da werden die Väter zur Familienarbeit eingeladen, und bei Trennung und Scheidung werden sie kaum unterstützt.

Täglich wenden sich verzweifelt Väter an den Verein "Väteraufbruch für Kinder e.V.", weil sie von der Politik, den Jugendämtern und Familiengerichten allein gelassen werden in ihrem Anspruch Vater für das Kind nach einer Trennung bleiben zu wollen.

Mit Einführung des neuen Kindschaftsrechtes gilt die gemeinsame Sorge als Regelfall, aber gegen den Willen der Mutter lässt sich dies nur schwer aufrecht erhalten, weil im Streitfall die Kinder klischeehaft der Mutter zugeordnet werden.

Bei nichtehelichen Vätern haben sie überhaupt keine Möglichkeiten eine gemeinsame Sorge gegen den Willen der Mütter zu erlangen. Das Bundesverfassungsgericht hat den Vätern keine Möglichkeit einer Klage gegen Mütter eingeräumt, wenn sie eindeutig ihre Macht missbrauchen.

Die zarten Finger des Kindes strecken dem Vater eine Rolle entgegen. Jeder sechste Vater fasst heute ins Leere, da sie ihre Kinder nicht oder nicht mehr sehen dürfen, weil es der Mutter nicht passt und kein Jugendamt und kein Familiengericht bereit ist ihnen zu helfen.

Gleichstellungspolitik kann nicht mehr nur Frauenpolitik sein. Gleichstellung der Geschlechter bedeutet auch politische Unterstützung für Männer. Dies können Frauen nicht für Männer tun. Auch ein Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend darf nicht mehr über die Gleichstellung der Geschlechter befinden, wenn sie die Väter schon im Namen nicht vertritt. Politiker, Väter und Männer wollen endlich einen Ansprechpartner auf Bundes- Landes- und Kommunalebene haben.

Dietmar Nikolai Webel
Väteraufbruch für Kinder e.V.