Rollenrutsche statt Bollerwagen

Väteraufbruch für Kinder feiert Fest im Unteren Schlossgarten

Bollerwagen, Bier und ein glasiger Blick. So stellen sich viele Männer den Vatertag vor. Der Verein Väteraufbruch für Kinder zeigte bereits zum 13. Mal beim Kinderfest Papi Palu im Spielhaus im Unteren Schlossgarten, dass es auch anders geht.

VON DIRK SONNTAG

Mit Waffeln, Zauberin und vor allem ohne Bier begeht der Väteraufbruch für Kinder den Vatertag. "Das ist kein Fest für die Väter, sondern vorwiegend für die Kinder", erklärt Peter Walcher die Intention von Papi Palu. So sind hinter dem Spielhaus eine Rollenrutsche und ein Kasperletheater aufgebaut, die Zauberin Natalie Astrab unterhält das kleine Publikum mit ihren Tricks. Auf der großen Wiese tobt ein Fußballmatch. Unerschrockene Väter stürzen sich wagemutig wie ihre Sprösslinge die Rollenrutsche hinunter. "Wir wollen einfach nur Spaß mit unseren Kindern haben", so Walcher.

Ein Zustand, den viele der gut 100 Mitglieder des Vereins aus ihrer Sicht viel zu selten erleben, da sie eine Scheidung hinter sich haben und sich ihr Besuchsrecht gerichtlich erstreiten müssen. Die Situation der Väter verbessert sich aus Walchers Sicht von Seiten der Politik nur sehr langsam. "Es ist wichtig, dass wir politisch auf uns aufmerksam machen, da wir juristisch oft unterliegen", so Walcher. Er spricht aus eigener Erfahrung. Walcher traf sich mit seiner ehemaligen Frau mehrfach vor Gericht.

Deshalb informiert der Verein auch vor dem Spielhaus an einem Infostand interessierte Passanten. "Das Kind hat das Recht auf den Umgang mit beiden Elternteilen", betont Walcher. Für ihn gibt es in Deutschland einen übersteigerten Muttermythos. "Ein Kind gehört zu seiner Mutter ist das Standardargument. Die Psychologie sagt jedoch, dass der Vater genauso wichtig ist wie die Mutter", so Walcher. Von einer Gleichberechtigung sei man jedoch weit entfernt.

Peter Walcher wirbt deshalb engagiert für die Rechte der Väter, sieht aber auch bei den Mitgliedern des Vereins eine andere Art von Vaterverständnis. "Wir sind keine Väter, die nur bezahlen, und das gut, sondern wir sind engagiert und gehen ebenso liebevoll mit unseren Kindern um wie die Mütter", erklärt Walcher.