Mainzer Allgemeine Zeitung
Die Väter sind die Dummen
Von Michael Bermeitinger
Auf den ersten Blick scheint das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum
Sorgerecht bei unverheirateten Eltern etwas für sich zu haben: Wenn bei
Streitigkeiten am Ende nur die Mutter das Sagen hat, verhindert dies aufreibende
Auseinandersetzungen vor Gericht und vor allem die daraus folgende Belastung für
die Kinder. Doch bei genauem Hinsehen ist das nicht haltbar. Wer sagt denn, dass
die Mutter immer richtig liegt und ihre Entscheidung das Kind nicht mehr
belastet, als es bei einer gerichtlichen Klärung der Fall sein würde? Karlsruhe
hat die Mütter quasi mit einem Unfehlbahrkeits-Dokument ausgestattet und die
Väter zu hilflosen Zahlmeisten degradiert. Doch der Vorwurf darf eigentlich
nicht an die Richter gehen. Sie haben ja nur abgeklopft, ob das geltende Recht
verfassungskonform ist. Wenn jemand schwere Veräumnisse begangen hat, dann der
Gesetzgeber, der unverheirateten Vätern nur die Rolle eines Elternteils zweiter
Klasse zugebilligt hat. Dass hier ein Unterschied gemacht wird gegenüber
verheirateten Eltern, die ein gemeinsames Sorgerecht ausüben, ist fragwürdig.
Die Annahme aber, dass eine Mutter ihr Sorgerecht nicht als mögliches
Druckmittel gegen den Vater gebrauchen könnte, zeugt von unglaublicher Naivität.
Denn in der Realität sieht es oft anders aus, auch zu Lasten der Kinder, um
deren Wohl es doch eigentlich gehen soll. Nur gemeinsames Sorgerecht zwingt
Eltern dazu, miteinander zu reden und sich zu einigen. Doch nachdem früher die
Mütter benachteiligt waren, hat man den Spieß einfach rumgedreht: Heute sind die
Väter die Dummen und die Kinder immer noch die Leidtragenden.