PAS nicht nur Theorie sondern auch und zwar sogar sehr grausame Realität

Sehr geehrte Redaktion,

zur Begründung der Richterin sie urteile streng aus der Perspektive der Kinder: sehr wahrscheinlich funktionieren die Kinder nur noch, haben ein negatives Vaterbild verinnerlicht, weil am Beginn des Entfremdungsprozesses nicht die Bremse gezogen wurde. Wird der Entfremdungsprozess nicht frühzeitig gestoppt, ist der Point of no return erreicht, wie im vorliegenden Fall. Der erste mit dem Fall befasste Richter hätte andere Weichen stellen müssen, dies wurde vertan. Zum Schaden der Kinder, die dadurch um ihre zweite Hälfte gebracht wurden. Der Zusammenbruch wird erst im Erwachsenenalter kommen, so unsere Erfahrungen mit Kindern aus konfliktreicher Trennung. Die Kinder können unter diesen Umständen kein positives Vaterbild verinnerlicht haben, demnach hat Ihre Identitätsentwicklung bestimmt großen Schaden genommen, der Bumerang wird zurückkommen.

Zu den Äußerungen des Herrn Salgo: fatalerweise bagatellisiert er die Problematik für die Kinder, die Richter arbeiteten mit einem Trick, gibt er vor, er vergleicht hier Äpfel mit Birnen. Das Kindeswohl ist bei Umgangsboykott massiv gefährdet! (emotionaler Missbrauch liegt hier vor) Kinder, die ohne Vater oder Mutter aufwachsen, deren Familie aber den nicht mehr anwesenden Elternteil in Ehren hält, dürfen beide Wurzeln annehmen und so Vater und Mutter lieben und ehren, eine unverzichtbare Voraussetzung für eine gesunde Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung. Kinder aber, die von einem Elternteil nur noch negativ sprechen dürfen oder besser müssen, weil sie von dem Elternteil, bei dem sie leben, gezielt mit negativen Fehlinformationen über den anderen Elternteil versorgt werden, können diese wichtige Entwicklung nicht durchlaufen. Sie müssen einen Teil in sich negativ besetzen, das wirkt sich negativ aus auf Identität, Selbstbewusstsein und vieles mehr, fällt aber in sonstigen kognitiven Leistungen oftmals kaum auf (z.B. Schulleistungen), erst in Partnerschaften kommt dieser genommene Schaden zum Durchbruch.

Diese Kinder dürfen nicht einmal um den verlorenen Elternteil trauern, anders Kinder, deren einer Elternteil stirbt. Die Trennungskinder können durch den Umgangsboykott die Realität bzw. Wahrheit nicht mehr überprüfen und als Selbstschutz, um nicht innerlich zerrissen zu werden übernehmen sie vom betreuenden Elternteil im weiteren Verlauf des Entfremdungsprozesses die negativen Wahrnehmungen, Einstellungen und Emotionen gegenüber dem ausgegrenzten Elternteil. Sie fühlen sich subjektiv auf Gedeih und Verderb dem noch verbliebenen Elternteil ausgeliefert und leben in großer Angst, diesen nun auch noch zu verlieren. Für Kinder fühlt sich das lebensbedrohlich an und allein vor diesem Hintergrund lehnen sie ihre andere Wurzel ab, die sie einmal über alles geliebt haben! Ab einem gewissen Punkt schlägt das einst positive Elternbild in ein negatives um (Umschlagsphänomen), ist dies erst einmal eingetreten, werden Interventionen kaum noch Erfolg versprechend sein.

So auch im Fall der Zwillinge. Deshalb ist hier Prävention so ungeheuer wichtig. Herr Salgo geht sehr unverantwortlich mit dem psychologischen Konstrukt PAS um. Er macht den typischen Fehler, alles in einen Topf zu werfen, ohne sich je ernsthaft damit auseinandergesetzt zu haben. PAS liegt vor, wenn ein Elternteil - meist durch den anderen Elternteil - verunglimpft wird, das Kind eigene Beiträge zur Verunglimpfungskampagne leistet und Kontakt zu dem ausgegrenzten Elternteil und häufig auch dessen Familie ablehnt, aus den oben genannten Gründen (keine Möglichkeit der Realitätsprüfung, deshalb ungeprüftes Übernehmen der negativen Einstellung des betreuenden Elternteils um den unerträglichen Loyalitätskonflikt wenigstens oberflächlich zu beenden). PAS liegt nicht vor bei echtem Missbrauch durch den abgelehnten Elternteil.

Als Vorsitzende des in diesem Jahr gegründeten Vereins PAS-Eltern e.V. können wir auch im Namen unseres Vereins bestätigen, dass PAS nicht nur Theorie sondern auch und zwar sogar sehr grausame Realität ist. Einige Betroffene haben ihre Geschichte als Fallbeispiel auf unserer homepage www.pas-eltern.de zur Verfügung gestellt. Dort ist auch die genaue Definition von PAS nachzulesen, was wir jedem dringend empfehlen, besser noch ist sich mit der Originalliteratur von Gardner zu befassen. Herr Salgo behauptet somit, dass es alle Fälle, die wir zusammengetragen haben (Fälle aus D, Ö und der Schweiz, darunter sehr viele betroffene Mütter!) nicht gäbe. Diese Behauptung ist schlicht weg gelogen. Und es sind bei weitem nicht nur Mütter, die Umgangsboykott betreiben, nein, es gibt ebenso viele Väter, die dies tun.

Es gilt in naher Zukunft über zwei Tabuthemen aufzuklären: 1. auch Mütter werden von ihren Kindern entfremdet, die Gesellschaft verurteilt sie zu Unrecht, weil niemand glaubt, dass man auch als Mutter von der Familie ausgegrenzt werden kann. Müttern werden meist psychische Defizite angedichtet, um sie so für erziehungsunfähig zu erklären. 2. Der Missbrauch mit dem Gewaltschutzgesetz, hierdurch werden Väter von ihren Kindern ferngehalten. PAS-Eltern hat es sich zur Aufgabe gemacht neben Aufklärung über PAS und Aufklärung an Schulen vor allem auch über diese beiden Tabuthemen zu berichten.

Herr Salgo scheint noch nie etwas von Bindungstheorie (Bowlby) gehört zu haben und wie wichtig dieses Fundamt ist für das gesamte Leben eines Menschen. Eine wichtige Bindungsperson, egal ob Mutter oder Vater, ist einmalig und weder ersetzbar noch austauschbar, schon gar nicht kompensierbar durch gute materielle Versorgung, auch ein gut funktionierender Freundeskreis kann dies nicht ersetzen. Wir sind zu tiefst erschüttert über die polemischen Aussagen des Herrn Salgo. Aufgrund Herrn Salgos Biographie drängt sich uns die Frage auf, welches Vaterbild Herr Salgo wohl verinnerlicht haben mag und ob es hier wohl einen möglichen Zusammenhang zu seinen Äußerungen geben mag. Ob auch er möglicherweise etwas Wesentliches in seinem Leben verdrängt um diesen Schmerz nicht spüren zu müssen? Verdrängen ist ein typisches aus der Not geborenes Verhaltensmuster von Trennungskindern mit Kontaktabbruch zu einem Elternteil.



Dipl.-Psych. Christiane Pohl                Berthold Schneider
1. Vorsitzende PAS-Eltern e.V.          2. Vorsitzender PAS-Eltern e.V.