André kommt aus dem Krankenhaus, sein Leben hat
sich heute grundlegend verändert. Gerade hat er seine Tochter Pia im Arm
gehalten. Pia ist noch keinen Tag alt, und André begleitete Mutter und Kind in das
Krankenhaus. Er hielt der werdenden Mutter die Hände und
sprach ihr Mut zu. Und dann passierte es, der Kopf, die Schultern und
schließlich war das Kind da.
Von heute an wird sich für André alles ändern. Seine neue Aufgabe ist es für
das Kind der Vater zu sein. Freude überwiegt der
ersten Unsicherheit. André hält in
Gedanken seine Pia immer noch im Arm und strahlt voll Liebe. Die Hebamme
sagte nach der Entbindung zu André: „Herzlichen Glückwunsch Papa. Sie haben
eine Tochter. Und alles Gute zum heutigen Vatertag, mögen sie gerne an
diesen Tag zurückdenken.“
Das war vor 6 Jahren und heute erinnert sich André wieder an alles, als wäre es gestern geschehen. Etwa 620 000 Männer werden jährlich Vater und werden heute zum Vatertag über diese neuen Aufgaben in ihrem Leben nachdenken. Vielen Vätern wird das Strahlen voll Liebe gerade an diesem Tag anzusehen sein. Der Väteraufbruch freut sich mit und wünscht den Männern eine erfüllte Vaterschaft.
Vaterschaft mit Hindernissen
Anderen Vätern ist das Strahlen vergangen, ihre Liebe zu ihren Kindern lässt sich nur noch kaum oder gar nicht gestalten
Heute lebt
André allein. Die Ehe hielt nicht lange. Seine Frau hat vor einem
Jahr die Scheidung eingereicht, wie etwa 75 Prozent der Frauen die Scheidung
einreichen. "Sie haben sich
auseinander gelebt", so sagte seine
Frau bei der Scheidung. Das Sorgerecht wurde ihr zugesprochen, wie fast
immer in Deutschland das Sorgerecht der Frau zugesprochen wird, wenn sich
der Richter für einen Elternteil entscheidet. In Bayern
erhalten etwa 3 Prozent der Väter das alleinige Sorgerecht, in
Sachsen-Anhalt etwa 6 Prozent. Zwischen
diesen Zahlen bewegt sich Deutschland.
Der Umgang zum Kind ist für André kaum noch möglich, obwohl er eine gute
Beziehung zu Pia hatte. Pias Mutter meinte, es wäre für das Kind gar nicht
gut, und sie hätte heute einen neuen Partner, der auch Vater für Pia sei.
Pia würde zwischen André und ihrer Familie hin und her gerissen. André will
für Pia kämpfen, bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wenn
es sein muss. Er möchte für Pia ein anständiger und verlässlicher Vater
sein. Und wenn seine Vaterschaft in Deutschland nicht sicher ist, dann
müssen eben die Gesetze geändert werden. Pia braucht doch ihre
Mutter und ihren leiblichen
Vater.
Auch an diese Väter denkt der Väteraufbruch heute und wünscht ihnen und vor allem ihren Kindern ein Familienleben in dem man überhaupt Vater sein darf. Vaterschaft darf nicht mehr beliebig austauschbar sein, sondern Vatersein soll unverwechselbar und einmalig bleiben. Das wünschen wir allen Vätern nicht nur in Deutschland.
Väter von heute müssen in ihrem gesellschaftlichen Ansehen gestärkt werden. Das Bild vom Vater hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Es ist heute normal, dass Männer zu Geburtsvorbereitungskursen ihre Partnerinnen begleiten und bei der Geburt dabei sind. Das Tragetuch und der Spielplatz sind seit Jahrzehnten von den Vätern entdeckt. Die Bedeutung des Vaters für das Kind jeder Altersstufe wird mittlerweile wissenschaftlich anerkannt. Die Vaterschaft soll endlich in der Politik den Stellenwert bekommen, den sie verdient - der Mutterschaft gleichwertig und von daher auch gleichgestellt.